Geburten und Todesfälle 2023

Geburten übersteigen Todesfälle

Für jede Gesellschaft ist es prägend, wie viele Menschen in ihr geboren werden und wie viele im gleichen Zeitraum sterben. Geburten und Todesfälle sind grundlegende Faktoren des natürlichen Bevölkerungswachstums. Sie beeinflussen nicht nur die Grösse und Struktur der Bevölkerung, sondern sind auch entscheidend für die Planung und Entwicklung von Ressourcen, Infrastrukturen und Dienstleistungen.

Hohe Geburtenraten tragen zu einem Bevölkerungsanstieg bei, während niedrige Geburtenraten zu einer stagnierenden oder schrumpfenden Bevölkerung beitragen. Die Geburtenraten haben einen massgeblichen Einfluss auf die Altersstruktur einer Gesellschaft. Auch Todesfälle beeinflussen die Altersstruktur. Die Sterblichkeit und die durchschnittliche Lebenserwartung sind wichtige Indikatoren für den allgemeinen Gesundheitszustand und die Lebensqualität innerhalb einer Gesellschaft.

Im Betrachtungszeitraum ab 1981 wird im Kanton Luzern durchgehend ein Geburtenüberschuss registriert, das heisst, dass es innerhalb eines Jahres kantonsweit jeweils mehr Lebendgeburten als Todesfälle gab. Im Jahr 2023 betrug dieser Überschuss 764 Personen.

Geburten

Frauen bekommen immer weniger Kinder

Im Jahr 2023 wurden im Kanton Luzern 4'094 Kinder lebend geboren. Dies entspricht nahezu dem Geburtenniveau von 2022 (+0,3%). Während im Jahr 2021 ein starker Anstieg verzeichnet wurde, war in den Jahren 2019, 2020 und 2022 ein Rückgang zu beobachten. Zuvor folgten die Geburtenzahlen in den 1990er- bis in die frühen 2000er-Jahren einem rückläufigen Trend. Im Jahr 2003 lag der Wert mit 3'369 Lebendgeborenen am tiefsten seit 1981. Seit 2005 steigt die Geburtenzahl tendenziell wieder an, was hauptsächlich auf das Bevölkerungswachstum und nicht auf eine höhere Geburtenziffer zurückzuführen ist.

Babyboomer-Jahrgänge erwirkten Geburtenanstieg

Im langfristigen Verlauf führen starke Geburtenjahrgänge im zeitlichen Abstand von einer Generation zu einem erneuten Anstieg der Geburtenzahlen. Das geschieht nicht, weil die Frauen im gebärfähigen Alter häufiger gebären würden, sondern weil ihre Gruppe in der Gesellschaft stärker vertreten ist. Diese wellenförmige Entwicklung – auch Echoeffekt genannt – zeigt sich in den Zahlen: So folgte auf den Geburtenanstieg der Jahre 1950 bis 1965 (Babyboom) zeitversetzt zwischen 1975 bis 1990 eine Zunahme der Geburtenzahlen. Gleiches zeigte sich im Geburtenanstieg zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Insgesamt entwickeln sich die Geburten seit gut zwei Jahrzehnten parallel zur Bevölkerung. Das zeigt die rohe Geburtenziffer, die sich seit 1999 bei etwa 10 Geburten pro 1'000 Einwohnerinnen stabilisiert hat.

Unabhängig vom Echoeffekt bekommen Frauen heute tendenziell weniger Kinder als noch 1981. Die zusammengefasste Geburtenziffer im Kanton Luzern lag 1981 bei 1,76 und 2022 bei 1,39. Um die heutige Elterngeneration zu erhalten, müsste ein Wert von 2,1 erreicht werden. Werte darunter führen zu einer Alterung der Bevölkerung, da die Generationen der Kinder immer kleiner sind als jene der Eltern.

Familiengründung erfolgt in späterer Lebensphase als früher

Die Frauen im Kanton Luzern bekommen nicht nur weniger Kinder als früher, sondern die Paare verschieben auch den Zeitpunkt der Familiengründung. Dies zeigt sich im Anstieg des Durchschnittsalters der Frauen bei der Geburt ihrer Kinder, das im Jahr 2022 bei 32,2 Jahren lag – vier Jahre höher als 1981. Gestiegene Ausbildungsdauern, spätere Eintritte ins Berufsleben und Veränderungen der Lebens- und Verhaltensweisen können diesen Anstieg erklären.

Die spätere Familiengründung widerspiegelt sich auch in der Altersverteilung der Mütter: War 1981 noch gut jede vierte gebärende Luzernerin jünger als 25 Jahre (25,8%), ist es inzwischen weniger als jede zwanzigste (2023: 4,3%). Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der älteren Mütter an. Besonders auffällig ist die Zunahme der Mütter im Alter von über 34 Jahren (1981: 9,5%, 2023: 32,3%). Demnach war 2023 etwa jede dritte Gebärende über 34 Jahre alt. 75 Prozent waren mindestens 30 Jahre alt (1981: 34,6%).

Drei Viertel der Kinderlosen hegen Kinderwunsch

Bei der letzten Erhebung der Familien und Generationen im Jahr 2018 hatten im Kanton Luzern 55 Prozent der Personen im Alter zwischen 20 und 49 Jahren keine leiblichen oder adoptierten Kinder. Gut ein Viertel von ihnen wollte gemäss eigener Aussage auch in Zukunft kinderlos bleiben. Bei den restlichen knapp drei Vierteln lag das Ideal jedoch in der Gründung einer eigenen Familie. Etwas mehr als der Hälfte der kinderlosen Personen dieser Altersgruppe wünschte sich 1 oder 2 Kinder.

Grossteil der Mütter ist bei Geburt des Kindes verheiratet

Im Jahr 2023 war der Grossteil der Frauen, die ein Kind zur Welt brachten, verheiratet (73,4%). Mit der Anzahl der Kinder steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter verheiratet ist: 2023 waren die Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes zu 65,0 Prozent verheiratet, bei der Geburt des zweiten und dritten Kindes zu 79,4 und 84,5 Prozent. Gegenüber 1981 hat sich der Anteil verheirateter Mütter jedoch deutlich verringert, als noch 95,9 Prozent der Mütter zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes verheiratet gewesen waren. Entsprechend dem Rückgang der ehelichen Geburten haben sich die Vaterschaftsanerkennungen im Zeitraum von 1981 bis 2023 von 126 auf 1'055 Anerkennungen pro Jahr erhöht. Der Anteil lediger Mütter hat im gleichen Zeitraum von 3,7 auf 24,1 Prozent zugenommen. Diese Entwicklung widerspiegelt den Wandel der gesellschaftlichen Normen und Wertvorstellungen.

Alternative Familienformen gewinnen an Akzeptanz

Alternative familiäre Strukturen haben im Lauf der Zeit deutlich an Akzeptanz gewonnen; neben der Ehe haben sich Formen des familiären Zusammenlebens wie das Konkubinat etabliert. Mehr Aufschluss über die Situation der unverheirateten Mütter als der Zivilstand gibt deshalb die Wohnsituation. Ende 2022 gab es im Kanton Luzern 3'964 Haushalte mit Neugeborenen (Jahrgang 2022). In 117 dieser Haushalte (3,0%) lebte eine erwachsene Person (mind. 20 Jahre alt) alleine mit dem Neugeborenen oder weiteren Kindern zusammen.

Todesfälle

Zahl der Todesfälle tendenziell steigend

Im Kanton Luzern wurden im Jahr 2023 insgesamt 3'330 Todesfälle registriert. Das entspricht einem Rückgang von 204 Todesfällen oder 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bringt die Zahl nach einem Anstieg im Jahr 2022 wieder auf das Niveau der Jahre 2020 und 2021 zurück. Längerfristig betrachtet steigen seit 2017 die Todesfälle tendenziell an.

Zwischen 1981 bis 2014 war die Zahl der Todesfälle ziemlich konstant geblieben und hatte sich zwischen rund 2'500 und 2'900 pro Jahr bewegt. Dies ist bemerkenswert, da in diesem Zeitraum sowohl die Gesamtbevölkerung als auch insbesondere die Zahl der älteren Menschen stark zugenommen hatten. Der Hauptgrund für diese Stabilität liegt in der gestiegenen Lebenserwartung und der damit verbundenen Abnahme der Sterblichkeit. Wie die Todesfälle nahm auch die Sterblichkeit – ausgedrückt in den rohen Sterbeziffern – nach einem Abwärtstrend in den letzten Jahren wieder zu und lag im Jahr 2022 bei 8,4 Todesfällen pro 1'000 Einwohner/innen. So hoch hatte sie zuletzt im Jahr 1995 gelegen.

Immer weniger Menschen sterben vor dem 80. Lebensjahr

Die Altersstruktur der Menschen zum Zeitpunkt ihres Todes hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Waren 1981 von allen Todesfällen 22,2 Prozent im Alter unter 65 Jahren, ist dieser Anteil inzwischen nur noch halb so gross (2023: 11,1%). Ebenfalls gesunken ist der Anteil bei den 65- bis 79-Jährigen (42,6 vs. 24,5%). Hingegen ist der Anteil der verstorbenen 80-Jährigen und Älteren an allen Todesfällen deutlich gestiegen (35,2 vs. 64,4%). Zwei Drittel der 2023 verstorbenen Luzerner/innen waren also 80 Jahre alt oder älter.

Drei Viertel der verstorbenen Frauen hatten 80. Lebensjahr erreicht

Betrachtet man das Sterbealter nach Geschlecht, so waren bei den 2023 verstorbenen Frauen (73,2%) fast drei Viertel 80 Jahre oder älter, während dieser Anteil bei den Männern etwas über der Hälfte lag (55,3%). Der Anteil der vor dem 65. Lebensjahr Verstorbenen betrug 2023 bei den Frauen 8,3 Prozent und bei den Männern 14,0 Prozent. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind Ausdruck der höheren Lebenserwartung der Frauen. Sie führt dazu, dass Frauen in den höheren Altersgruppen derzeit deutlich zahlreicher vertreten sind als Männer.

Lebenserwartung von Frauen und Männern nähern sich an

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt beschreibt die Anzahl der Jahre, die eine Person voraussichtlich leben wird. Im Jahr 2022 betrug sie im Kanton Luzern für Männer 81,5 Jahre und für Frauen 85,5 Jahre. Seit 1981 ist die Lebenserwartung der Männer um 9,6 Jahre gestiegen, während jene der Frauen um 6,3 Jahre zugenommen hat. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern hat sich also verringert. Insgesamt hat sich in jüngster Zeit das Wachstum der Lebenserwartung verlangsamt oder war gar leicht rückläufig.

Neben der Lebenserwartung "bei Geburt" ist die Lebenserwartung "in guter Gesundheit" ein wichtiger Aspekt der Gesellschaftsstruktur. Sie beschreibt, wie viele Jahre eine Person voraussichtlich in guter gesundheitlicher Verfassung leben wird. Schweizweit betrug 2017 die gesunde Lebenserwartung für Männer etwa 69,8 Jahre und für Frauen 70,8 Jahre. Diese Werte zeigen, dass ein erheblicher Teil des Lebens, insbesondere im Alter, von gesundheitlichen Einschränkungen geprägt sein kann.

Autorin: Sibylle Haas / 30. Juli 2024